Generationenwechsel, Zeitenwechsel, Familienmosaik

 

Generationenwechsel, Zeitenwechsel, Familienmosaik

Category: aktuell, Programm für Erwachsene
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Dauer

75 Minuten

Zuschauerzahl

max. 40 Personen

Geeignet für

Jugendliche ab 14 und Erwachsene

Spielfläche

Tisch mit Stuhl

Licht

Normale Alltagsbeleuchtung

Ton

keine Verstärkung nötig, keine Einspielungen

Matthias Kuchta

Generationenwechsel, Zeitenwechsel, Familienmosaik

M

atthias Kuchta setzt sich in dieser mosaikartigen Erzählung mit den vielfältigen verschlungenen Fäden der eigenen Familiengeschichte auseinander, findet zeitgeschichtliche Bezüge, stolpert über Gleichzeitigkeiten, Vergessenes, Verschwiegenes und über die Verführbarkeit vernünftiger Menschen durch rechtsradikales Getöse.

Ein Erzählspiel mit Briefen, Postkarten, Papierfigürchen und Sand, vom preußisch-österreichischen Krieg über die Aufteilung Dänemarks zum Bahnhof Radegast im Ghetto Litzmannstadt, vom Signaturstempel der Marta Zade zur Generation Deutschland.

 

 

Rezension von Figurentheaterfestival Wels , 18.3.2026

Ein Geschichtenerzähler erzählt Geschichte

Es ist nicht die Geschichte von Kaisern und Königen, von Diktatoren und Volkstribunen, von Heerführern und Kirchenfürsten; es ist die « Geschichte von unten », wie sie von den einfachen Menschen erlebt und mitgestaltet wird, die Matthias Kuchta erzählt, es ist die Geschichte seiner Familie.

Er braucht auf der Bühne nur einen Tisch, einen Sessel, dazu kleine, neutrale Figuren aus Karton und  persönliche Dokumente, Briefe, Tagebuchblätter, Zeitungsausschnitte. Mit sparsamen Gesten formt er aus einer Erzählung ein Stück Theater.

Generationenwechsel, Zeitenwechsel…

Wohl keine Generation der Vorfahren, die Matthias Kuchta bis ins späte 19. Jahrhundert zurückverfolgt, blieb von solchen Zeitenwechseln verschont : die Schlacht bei Königgrätz, der Erste Weltkrieg, die Machtergreifung Hitlers, der Zweite Weltkrieg………

Im Familienmosaik gibt es viele Farben. Die dunkelsten erscheinen in den Feldpostbriefen und Tagebucheintragungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Schreiber – es ist Matthias’ Vater – berichtet von den Kriegsschauplätzen ganz im Sinne der Nazi-Ideologie, menschenverachtend, rassistisch, mitleidlos.

Und nach dem Krieg ? Die kleinen Figuren kehren in die anonyme Menge zurück, ins Vergessen und Verschweigen. Täter wandeln sich in honorige Bürger, in Bürgermeister, Richter, Beamte. Selten werden Fragen gestellt.

Matthias Kuchta ist kein selbstgerechter Ankläger, er erzählt behutsam, er nimmt das Publikum mit auf die Reise in die Vergangenheit. Es muss eine schwierige,  langwierige und schmerzhafte Recherche-Arbeit gewesen sein, die diesem Stück vorangegangen ist.

Bei der Premiere im Rahmen des Internationalen Figurentheaterfestivals Wels 2026 sprach Matthias Kuchta von einem « work in progress ». Er wird weiter forschen und neue Erkenntnisse in das Stück einarbeiten.

In einer Zeit, da der Glaube, der Mensch könne aus der Geschichte lernen, mehr und mehr schwindet, ist dieses leise, berührende Stück ein Hoffnungsschimmer. Es sollte ganz ganz oft gespielt werden.

(Ulrike Walters)